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Die Entstehungsgeschichte des Ryder Cups
(mit freundlicher Genehmigung des Kosmos Verlags, Stuttgart, entnommen aus: Himmel, Der Ryder Cup, © 2004 Albrecht Golf GmbH)

Eigentlich mag man es kaum glauben: Irgendwann einmal, genau genommen noch während  des ersten Drittels des vergangenen Jahrhunderts, fristeten Golf-Professionals auch in Großbritannien ein eher unerfreuliches Dasein. Ihr Berufsstand war von den Ehren und Reichtümern der heutigen Zeit weit entfernt, kam eher einer leichten Verbesserung des Caddy-Daseins gleich. Der Eintritt ins Clubhaus war ihnen nicht erlaubt, ihr Kleidung aufgrund geringerer Einnahmen meist schäbig, weshalb die Clubmitglieder den Pro am liebsten in seinen Shop verbannt sahen. An ein Leben als weltreisender Tourspieler war kaum zu denken, selbst Anreise, Verpflegung und Unterkunft waren meist schon zu teuer. Was die guten Golfer jener Tage dringend brauchten, waren Sponsoren – Golf-Liebhaber, die Vergleichskämpfe bezahlten, Preisgelder aussetzten, Unterkunft und Abendessen bei den British Open bezahlten.

Samuel Ryder entdeckte seine Vorliebe für gutes Golf erst recht spät, nachdem er die 50 schon überschritten hatte und 1910 im Verulam Golf Club Mitglied geworden war. Zu diesem Zeitpunkt war der Gentleman mit dem Schnurrbart und der drahtigen Figur längst zu einer bekannten Größe in seinem Wohnort St. Albans geworden. Ryder, der 1858 als Sohn eines Getreideunternehmers aus Manchester geboren worden war und in Manchester die Universität besuchte, hatte es mit dem Verkauf von Blumensamen zu Wohlstand gebracht, was zugleich die Grundlage für ein weitreichendes soziales Engagement des späteren Bürgermeisters von St. Albans war.

Irgendwie musste sich seine soziale Einstellung auch auf die Professionals ausgedehnt haben, denn zusammen mit seinem Bruder James lag es ihm am Herzen, ein bisschen mehr aus diesen etwas armseligen Figuren zu machen. Die Ryder-Brüder sponserten deshalb am 10. Juli 1923 ihr erstes Turnier, das Heath & Heather Professional Tournament. Eingeladen wurden die 48 besten Professionals des Landes, gespielt wurden 36 Löcher Zählspiel. Ausgesetzt wurden 500 Pfund Preisgeld. Die ganze Angelegenheit war offenbar ziemlich verlockend – immerhin waren sechs British-Open-Champions am Start, darunter Harry Vardon und George Duncan. Die Begeisterung der Ryder-Brüder zog weitere Turniere nach sich.

Nachdem dem engagierten Gespann recht bald an mehr internationalem Touch gelegen war, kam es kurz darauf zum „Annual test between the Professionals of Great Britain and America locally subscribed for a large sum“, in anderen Zeitungen auch „The International Match“ genannt. Die Teilnehmer hießen George Duncan und Abe Mitchell (Großbritannien) sowie Walter Hagen und Macdonald Smith (USA). In gewisser Weise hatte dieses erste internationale Aufeinandertreffen ziemlich viele Gemeinsamkeiten mit dem heutigen Ryder Cup. Die Briten nämlich galten als hoffnungslose Underdogs, den Amerikanern in jeder Hinsicht unterlegen. Schon damals war das Match ein Hit: auf dem Gelände von St. George’s Hill verfolgten gut 5.500 Personen über die zwei Tage den überraschenden Sieg von Longhitter Mitchell und Duncan, die damit dem Prestige des britischen Golf deutlich auf die Sprünge halfen.

Abe Mitchells ausgedehntes Trainingsprogramm sollte sich ziemlich bald als durchaus sinnvoll erweisen. Am 4. und 5. Juni 1926 nämlich trafen zehn Amerikaner und zehn Briten aufeinander, die in Wentworth im „International Professional Golf Match Great Britain versus United States of America“ gegeneinander antraten. Die USA verloren das Match mit 3:9. Es war jedoch der wichtigste Vorläufer des Ryder Cups, wenn auch nicht sein einziger. Schon einmal, nämlich im Jahr 1921, waren zwei größere Teams beider Seiten aufeinander getroffen - damals im schottischen Gleneagles. Auch wenn die Geschichte des Ryder Cups wie so vieles andere im Golf, was mit dessen Ursprüngen zu tun hat, ein wenig in den Wirren der Historie verborgen ist, so gilt doch ein Beschluss der PGA of America vom 15. Dezember 1921 als erster offizieller Termin, mit dem die Geschichte des Ryder Cup beginnen sollte. Bei der jährlichen Hauptversammlung der PGA nämlich kam man zu dem Ergebnis, dass ein transatlantisches Golfturnier zumindest teilweise finanziert werden sollte. Einer der Initiatoren auf US-Seite war dabei James Harnett, Manager bei der Zeitschrift „Golf Illustrated“.

Der Niederlage zum Trotz werteten auch die Amerikaner die ganze Sache durchaus als Erfolg – es dauerte trotzdem fünf Jahre, bis man im Umfeld der British Open zu einer zweiten Auflage kam. Wie schon im Jahr 1921 fühlte sich so mancher Amerikaner angesichts der eigenen 1,5 : 13,5 Niederlage der Gäste eher an ein Massaker von Little Big Horn, denn an ein Golfmatch erinnert. Abe Mitchell jedenfalls entwickelte sich im Verlauf der Begegnung zum Star: unter anderem wurde Jim Barnes, British Open-Sieger von 1925, ziemlich ungnädig mit 8 und 7 vom Platz gefegt.

Kein Wunder, dass Samuel Ryder seinen Schützling mit freudigem Interesse bei seinem Tatendrang beobachtete. Was Ryder letztlich aber am meisten begeisterte, war der Sportsgeist, der unter den Gegnern herrschte – nur, dass man sich im Anschluss an die Matches nicht noch auf einen gemeinsamen Drink zusammensetzte, störte ihn ein wenig. Ryder spendierte also eine Runde Tee und Sandwiches, dazu noch ein Glas Champagner – und schon verstanden sich die Herren allesamt prächtig. Als Ryder, der für jeden Sieger auch fünf Pfund Preisgeld ausgesetzt hatte, so in der Bar saß und die Atmosphäre genoss, soll er verkündet haben, man müsse solch ein Match doch wiederholen. Um der ganzen Sache sofort ein Gesicht zu verleihen, spendierte er eine kleine Trophäe aus Gold, die seitdem für so manchen Golfer der Inbegriff aller Golfpokale ist.

Der Pokal

Fertig gestellt wurde das 19,5 Inch hohe Stück erst 1927 kurz vor dem ersten offiziellen Match von der Mappin & Webb Company in London. Auf dem Oberteil  der Trophäe prangt eine Spielerfigur, die – wie könnte es anders sein – Abe Mitchell verkörpert. 250 britische Pfund kostete der Ryder Cup, Ryder übernahm genauso wie Golf Illustrated 100 Pfund von den Kosten, der Royal and Ancient Golfclub of St. Andrews spendierte 50 Pfund. Der Ryder Cup war geboren – und mit ihm nahm eine Entwicklung ihren Gang, die ihresgleichen sucht. Die geprägt ist von einem in diesem Ausmaß im Profisport nur noch selten zu findenden Sportsgeist, von Ehrgeiz und Kampfkraft, von Sentimentalität und Träumen.

 
 
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