Im Laufe seiner Geschichte schrieb der Ryder Cup so
manch kurioses Kapitel und mit seinen zahlreichen interessanten Episoden bildet
er heute eine der emotionalsten Golfveranstaltungen der Welt.
Underdog ganz groß
„Darcy schwingt wie ein Tintenfisch, der gerade vom Baum fällt“, kommentierte ein Fernsehreporter den Bewegungsablauf des Eamonn Darcy, der 1987 in Muirfield Village auf Ben Crenshaw - einen der besten Putter aller Zeiten - traf. Der Amerikaner, der nicht ganz bei der Sache war, weil seine Frau in Texas kurz vor der Entbindung stand, war an diesem Finaltag eines heiß umkämpften Ryder Cups mit seinem Putter aber ganz und gar nicht zufrieden.. „Little Ben“, wie der Wilson 8802-Putter scherzhaft genannt wurde, musste nach einem Dreiputt am sechsten Grün auf jeden Fall dran glauben. Der Schaft zerbrach, nachdem Crenshaw den Schläger etwas heftiger auf eine Walnuss gestoßen hatte. Von nun an musste das Eisen 1 als Ersatz herhalten. Und obwohl Crenshaw zu seiner eigenen Überraschung auch damit noch den einen oder anderen langen Putt lochte, hielt der unscheinbare Darcy weiter gut dagegen und gewann. Darcys Punkt, für sämtliche Beteiligten völlig unerwartet, trug erheblich zum 15:13-Sieg der Europäer bei, dem ersten auf amerikanischen Boden.
Der Krieg an der Küste
Wussten Sie, dass der Ryder Cup 1991 als „Krieg an der Küste“ in die Annalen einging? In South Carolina, USA herrschte damals eine frostige Atmosphäre zwischen den Spielern beider Teams, was sich ebenfalls auf die Zuschauer übertrug. Drei Begegnungen in Folge konnte das Team USA nicht mehr gewinnen, was die Emotionen in der US-amerikanischen Golfszene aufheizte. Angefangen hatte alles mit der Aktion „Weck den Feind auf“ eines Radiomoderators, die dazu führte, dass amerikanische Fans mitten in der Nacht auf den Hotelzimmern der Europäer anriefen und Ihnen so den Schlaf vorenthielten. Ferner entwickelte sich im Eröffnungsvierer zwischen Severiano Ballesteros und Paul Azinger eine neue Privatfeindschaft, welche maßgebend für die nächsten Tage sein sollte. Sie gipfelte in den Aussagen:
„Die Amerikaner habe elf nette Jungs dabei – und Paul Azinger“ (Ballesteros)
„Seve bekommt jedes Mal gerade beim Ryder Cup Husten“ (Azinger in Anlehnung an das stetige leichte Hüsteln seines Gegners)
1991 markierte einen Punkt in der Geschichte des Ryder Cup, an dem der reine Status als „Begegnung von Gentlemen“ etwas verlorenging. Die US-Amerikaner traten der Solidarität im eigenen Team willen an einem Tag gar mit Militärkappen an, was die patriotischen Zuschauer der Veranstaltung über die Maßen anheizte und zu überzogenen Reaktionen verleitete. Sportliches Verhalten und Fairness blieben folglich etwas auf der Strecke und alles in allem geriet der Ryder Cup 1991 etwas aus den Fugen.
Immer Ärger mit den Namen
Manchmal passieren auch den Organisatoren peinliche Fehler. So geschehen beim Ryder Cup 2008 in Kentucky, USA, als der Name des dänischen Golfstars Søren Hansen auf seinem zur Verfügung gestellten Golfbag schlichtweg falsch geschrieben wurde und er plötzlich „Hanson“ hieß. Bis die eilig hergestellte Ersatztasche angeliefert wurde, musste Hansen sogar bei offiziellen Teamfotos unter falschem Namen antreten.
Änderungen des Formats
Vom Beginn an bis 1959 bestand der Ryder Cup aus vier Vierern am ersten Tag und acht Einzelspielen am zweiten Tag, welche jeweils über 36 Löcher ausgetragen wurden.
Das Format wurde im Jahr 1961 geändert und sah fortan vor: jeweils vier 18-Loch Vierer am Vor- und Nachmittag des ersten Tags, jeweils acht Einzelspiele über 18 Loch am Vor- und Nachmittag des zweiten Tags. Für jedes Match wurde ein Punkt ausgelobt, so dass die zu erreichende Gesamtpunktzahl auf 24 anstieg. 1963 wurden erstmalig Vierball-Matches hinzugefügt, so dass die Gesamtpunktzahl erneut auf 32 stieg.
1977 erfolgte eine weitere Änderung: fünf Vierer am ersten Tag, fünf Vierball-Matches am zweiten Tag und zehn Einzelspiele an einem dritten Tag. Die Gesamtpunktzahl verringerte sich so auf 20.
1979 wurde das Team Großbritannien und England um Spieler aus Kontinental-Europa erweitert und auch das Format wurde abermals geändert. Dieses sah nun folgendermaßen aus: vier Vierball-Matches und vier Vierer an beiden ersten Tagen sowie zwölf Einzelspiele am dritten Tag (28 Gesamtpunkte). Dieser Modus ist bis heute gültig.
Die Austragung des Ryder Cup im Jahr 2001 wurde aufgrund der weltpolitischen Lage auf 2002 verschoben, so dass der Ryder Cup nach dem Zweiten Weltkrieg zum zweiten Mal in seiner Geschichte aussetzen musste. Seitdem finden alle Wettkämpfe in geraden Jahren statt.
(mit freundlicher Genehmigung des Kosmos Verlags, Stuttgart, entnommen aus: Himmel, Der Ryder Cup, © 2004 Albrecht Golf GmbH)